Geschichte der Akupunktur

Wichtige klassische Schriften und berühmte Ärzte der Akupunktur.


Die Anfänge der Akupunktur und Moxibution (zhen-jiu auf deutsch Stechen und Brennen) gehen zurück zu einer Zeit, in der Krankheiten und Schmerzen noch mit Dämonen und Geistern in Verbindung gebracht wurden.
Zeitlich kann man diese Anfänge auf mehr als 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung datieren. Dies wird durch Ausgrabungen belegt, bei denen Nadeln aus, Steinen oder aus Bambus gefunden wurden. 


Ursprung der Akupunktur oder mögliche Antwort auf die Frage wie Akupunktur entstanden ist

Experimentalmedizin

In vielen Kulturen der Welt entstanden verschiedene Therapieverfahren durch Glücksfälle, so auch die Akupunktur. Ursprünglich entwickelte sich die Akupunktur aus rein zufälligen Erfahrungen: Durch versehentliche Quetschungen oder Hautschürfungen, durch Verletzungen oder gar durch Pfeilwunden verschwanden plötzlich alte Schmerzen und traten auch nicht mehr auf.
Oder auch das Reiben, Massieren und Beklopfen eines bestimmten Hautareals, das wir oft instinktiv nach einer Verletzung tun, linderte den Schmerz oder das Unwohlsein verschwand.

Nach und nach kristallisierte sich heraus, dass bestimmte Punkte besonders effektiv waren und so wurde die Theorie, dass eben diese bestimmten Punkte auf entfernte Stellen wirken geboren und im Laufe der Jahrhunderte systematisiert.


Wurde am Anfang mit Steinnadeln punktiert und mit Steinsplittern geschnitten, entstanden dann später Nadeln aus Bambus, aus Knochen und in der Bronzezeit wurden Nadeln aus Metallen gefertigt.


Mit den neuen Fertigkeiten entstanden dann die neun Nadeltypen.

In einem Grab, das aus der Zeit vor unserer Zeitrechnung stammt, wurden neun Nadeln gefunden, die aus Gold und Silber gefertigt waren.


Ähnlich verhielt es sich mit der Brennmethode. Nachdem das Feuer entdeckt war und benutzt wurde, bemerkte man ebenfalls durch Zufall seine wohltuende und schmerzlindernde Wirkung und entwickelte in Laufe der Jahre die Moxibustion. Benutzte man zunächst Kohle, entstand später das Moxa (Beifußkraut).

Die ersten Aufzeichnungen über die Anwendung von Nadeln (spitze Steine oder Bambus) stammen aus der Zeit um 1600 vor Chr.


Das Huang Ti nei jing

Das erste Große Werk zur Akupunktur ist der "Innere Klassiker (Gelbe Kaiser) zur inneren Medizin" das "Huang ti nei jing su wen", das in der Zeit der kämpfenden Reiche verfasst wurde (221 v. Chr - 220 n. Chr.). Dieses Werk ist ein Dialog zwischen dem legendären gelben Kaiser (der 2700 v. Chr. gelebt haben soll) und einem seinem Minister Chi Po.



Huang ti (gelber Kaiser)
Dieses Buch ist das Grundlagenwerk der Traditionellen Chinesischen Medizin im Allgemeinen und der Akupunktur und Moxibustion im Besonderen.
Es besteht aus zwei Teilen, dem Suwen (Grundlegende Fragen), das sich hauptsächlich mit Medizintheorie befasst und dem Lingshu(Angelpunkt (Zentrum) des Wirkvermögens), in dem es um die Akupunkturpraxis, Meridiane, Kollateralen, Punkte, die neun Nadeln, Manipulationstechniken, etc. geht.
Es gibt mittlerweile zahlreiche Übersetzungen dieses Werkes in westlichen Sprachen, doch ist es sinnvoll, das Werk zusammen mit einem "Nei Jing Experten" zu erarbeiten, da zu viele Aspekte falsch verstanden oder falsch interpretiert werden können.


Nan jing (Klassiker der schwierigen Fragen)

Ein weiterer Klassiker, der auf den vorgenannten Werken basiert, ist das Nan jing (Klassiker der schwierigen Fragen) von Qin Yue-Ren oder auch Bian Que genannt, der 500 vor Christus lebte. Ähnlich wie das Huang ti nei jing ist das Buch im Fragen-Antworten-Stil geschrieben und beinhaltet Basiswissen der TCM zu Puls, Meridiantheorie, Zang-Fuß-Theorie, Akupunkturpunkten und -methoden.



Qin Yue-Ren 

Hua Tuo - der erste Chirurg

Der bekannte Chirurg Hua Tuo lebte im 2. Jh. n. Chr. Er ist der erste bekannte Chirurg der Welt. Er lebte 110 – 207 n. Chr. und wird heute noch als Gott der Chirurgie verehrt. Seine Patienten betäubte er mit einer Kräutermischung (Ma Fei San) die aus Hanf und Wein bestand.

Hua Tuo behandelte mit wenigen Kräutern und war bekannt dafür, dass er mit nur einer Nadel (1-Nadel-Methode) heilen konnte.

Hua Tuo, der Zeit seines Lebens ein Mediziner des Volkes blieb, gilt auch als Begründer des Qi Gong und des Taiji Quan. Die berühmten Übungen, in denen die Bewegungen von Tiger, Bär, Affe, Hirsch und Kranich nachgeahmt werden, gehen auf ihn zurück.



Hua Tuo 
Die Systematisierung der Akupunktur ging soweit, dass man zur Zeit der Jin Dynasty in einem Werk erstmals 349 Punkte erwähnte und beschrieb, die man im Klassiker der inneren Medizin noch nicht kannte. 
Dieses Werk das zhen jiu jia yi jing (Klassiker über Stechen und Brennen oder Das ABC der Akupunktur und Moxibustion) wurde ca. 259 nach Chr. von Huang Fumi verfasst und ist nach dem Huang ti nei jing der zweite wichtige Klassiker.




Huang Fumi

Im Qian jin Fang (Rezepte die tausend Goldstücke wert sind) schreibtSun Simiao darüber, das ein wirklich guter Arzt (ein guter Arzt) Akupunktur nicht ohne Moxibustion anwendet und umgekehrt und auch keine Kräutertherapie ohne Akupunktur ausübt.
Sein Werk besteht aus zwei Teilen, dem qian jiu yao fang einem Sammelwerk aller wichtigen Werke die bis dahin geschrieben wurden, mit verschiedenfarbigen Karten über Meridiane und Punkten in einer dorsalen, ventralen und lateralen Ansicht und dem qian jiu yi fang, einer Ergänzung zum ersten Werk. Die Ashi-Punkte und das Fingermaß werden erstmals in diesem Werk erwähnt.

 

 Sun Sumiao 

Dem Arzt Wang Weiyi verdankt die TCM-Welt ein großes und wichtiges Werk, sowie die ersten beiden Bronzefiguren . Sein Werk tong ren shu xue zhen jiu tu jing (Illustriertes Handbuch über Punkte für Akupunktur und Moxibustion unter Verwendung einer Bronzestatue) das 1027 veröffentlicht wurde, setzte neue Meilensteine in der Akupunktur.
Die Bronzestatuen waren lebensgroß und sollten in der Zukunft zur Überprüfung der Schüler dienen. Zu diesem Zweck wurden die Statuen mit Bienenwachs überzogen und mit Wasser gefüllt. Stach der Prüfling die Punkte korrekt an, spritze ein Wasserstrahl aus der Bronzefigur.

 
1220 n. Chr. schreibt Wang Zhizhong das zhenjiu zishengjing (Klassiker der Abhandlung mit Akupunktur und Moxibustion). Darin fasst er bis dahin bekanntes Wissen über Akupunktur und Moxibustion zusammen.

Shi si jing fa hui (Erweiterung der vierzehn Meridiane) 1341 nach Chr. von Hua Shou (Hua Boren) veröffentlicht, beschreibt den Verlauf der 12 Hauptmeridiane sowie des Ren und Du Mai’s und sonstige Information zu Akupunkturpunkten. 

zhen jiu da quan (Komplettes Werk über Akupunktur und Moxibustion) wurde von Xu Feng um 1439 verfasst. Es setzt sich in diesem Werk insbesondere mit Akupunkturpunkten des ganzen Körpers auseinander, die bekannt sind aus der "Ode an die spirituelle Klarheit" (ling guang fu), "Ode an tong xuan" (tong xuan fu), "Ode an die goldene Nadel"(jin zhen fu), oder Ode an Xi hong. Ausserdem befasst er sich mit dem "Lied von Ma Dan-Yang's elf Himmelssternpunkten" (Ma danyang tian xing shi er xue ge)und ergänzte einen zwölften Punkt (Le 3), sowie den "Dreizehn Geistpunkten" von Sun Simiao

zhen jiu wen dui (Fragen und Antworten zur Akupunktur und Moxibustion) von Wang Ji verfasst 1530.Er befasste sich wie seine Vorgänger mit verschiedenen Themen der Akupunktur und Moxibustion. Unter anderem vertrat er die Meinung, dass man nur alleine mit Akupunktur das Qi/yang und xue/yin nicht tonisieren kann. Akupunktur ist mehr ein Verfahren zum Ausleiten und weniger zum Aufbauen. Zur Stärkung braucht man das Aroma, d.h. den Geschmack bzw. die Kräuter.


Die Studie über die Acht Extrameridiane Qi jing ba mai kao wurde 1578 veröffentlicht, ihr Verfasser ist kein Geringerer als Li Shizhen, der Autor des ben cao qang mu wurde. In diesem Buch beschreibt Li den Verlauf der Acht Extrameridiane, sowie die Krankheiten die durch sie beeinflusst werden.


Li Shi Zhen 
1601 veröffentlicht Yang Ji-Zhou das zhen jiu da cheng "Kompendium oder großes Werk der Akupunktur und Moxibustion". Es ist wohl nach dem huang ti nei jing das wichtigste Werk über Akupunktur und Moxibustion. Das zhen jiu da cheng ist eine vollständige Sammlung der bis zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stehenden Literatur, verbunden mit den damals neuesten Erkenntnissen zur Akupunktur und Moxibustion und versehen mit zahlreichen Kommentaren und Fallbeschreibungen, sowie geheimgehaltenen Behandlungsmethoden.





Yang Ji-Zhou
Hat sich bis zu diesem Zeitpunkt der Ming-Dynastie die Akupunktur stetig weiter entwickelt, entstand nun unter der feudalen Herrschaft der Ching-Dynastie und dem Kolonialismus eine Stagnation. Ab dem 19. Jahrhundert wurde die westliche Medizin eingeführt und die Akupunktur und Moxibustion wurde aus den Medizinfakultäten ausgeschlossen und konnte sich nur noch im Volk und unter den Berufsständigen halten. 
Je mehr die westliche Medizin in China Einkehr hielt, um so mehr wurde die TCM verbannt. 1929 wurde sogar ein Antrag zum Verbot der traditionellen Heilmethoden gestellt, der aber zurückgewiesen wurde.
Erst nach der Machtübernahme der Kommunistischen Partei und unter der Führung des Vorsitzenden Mao Zedong erhielt die Akupunktur und die Kräutertherapie wieder einen wichtigen Stellenwert, gleichberechtigt neben der westlichen Medizin. 
Während sich hier im Westen die TCM ihren Stellenwert erkämpft, muss der Student an den chinesische Medizinfakultäten in seinem fünfjährigen Studium mindestens ein Jahr die Traditionelle Chinesische Medizin erlernen, auch dann wenn er nur die Schulmedizin durchführen will.
In diesem neuen Stadium der Akupunktur und TCM, hat sich die Erforschung der klassischen Schriften und die klinischen Erfahrungen mit der modernen westlichen Medizinwissenschaft langsam mit einander verbunden.
Und so werden heute noch - oder besser wieder - den berühmtesten Ärzten Tempel gebaut und sie werden als Götter oder Heilige verehrt.


Literaturhinweise:

  • Unschuld: Medizin in China - eine Ideengeschichte
  • Fu Weikang: The Story of Chinese Acupuncture & Moxibustion
  • Porkert: Die Chinesische Medizin
  • Wong/Wu: History of Chinese Medicine
  • Needham: Celestial Lancets



Die Entwicklung der Akupunktur außerhalb von China

Außerhalb von China gelangte ca. 600 nach Christus die Akupunktur und die TCM. über Korea nach Japan. Der Mönch Zhi Cong brachte Bücher aus China mit nach Japan. 
Und durch Marco Polo wurden erste Berichte im 14. Jahrtausend nach Chr. auch im Abendland bekannt. Aber erst im 17. Jahrhundert veröffentlichte der holländische Arzt Jakob de Bondt ein Werk über die Naturgeschichte und Medizin Ostasiens, und Wilhelm Ten Rhyne (1683) und Andreas Cleyer (1686) schrieben über Akupunktur.
Danach erst gibt es erste Berichte darüber, dass Akupunktur auch hier in Europa veröffentlicht wurden zum Beispiel durch den Arzt Engelhard Kämpfer. Weitere Berichte gibt es durch Berlioz und Churchill sowie von Darby, der erste Übersetzungen der Akupunktur-Klassiker lieferte. Dann wird es zunächst still um die Akupunktur, bis Solie de Morant der Akupunktur zu neuem Glanz verhilft (Die französische Schule).
Weitere bekannte Namen, die der Akupunktur in Europa zu neuen Ehren verhalf sind:
De la Fuye, Chamfrault und dann der in Frankreich lebende Vietnamese Nguyen van Nghi,
während sich im deutschsprachigen Raum besonders Heribert Schmidt, Gerhard Bachmann, Erich Stiefvater und später Manfred Porkert für die Akupunktur und TCM einsetzten.
In Amerika und Canada waren es vor allem die Auslandschinesen, die der Verbreitung der TCM half, doch nachdem dann China seit den 80er Jahren die Türen für die Ausländer öffnete, wurde ein ganz neues Zeitalter der TCM im Westen vor allem in Bezug auf die Kräutertherapie eingeläutet. Heute reisen zahlreiche TCM-Studenten in das Reich der Mitte um direkt an den Wurzeln der TCM zu lernen.


Literatur:
H.- J. Arnold - Geschichte der Akupunktur in Deutschland

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© Gerd Wiesemann