Die manuellen Techniken der TCM

Gerd Wiesemann


Wer kennt sie nicht, die wohltuenden Berührungen des Shiatsu oder der Akupressur, wer kennt nicht die energetischen Striche der Aku-Punkt-Massage (APM) oder das "strömen" aus dem Jin Chin Jitsu? Allesamt Techniken oder Verfahren, die sich nicht nur auf die TCM begründen, sondern aus den Manuellen Techniken der TCM stammen.

Shiatsu, ähnlich der Akupressur, stammt aus der japanischen Kampo Medizin (Kampo = han fa = chinesische Methode) und heißt übersetzt Fingerdruck. Akupressur ist der Druck der auf bestimmte Akupunkturpunkte ausgeübt wird. Bei diesen Methoden steht die Stimulierung der Akupunkturpunkte im Vordergrund. Diese Technik des Pressens ist eine der 20 Grundtechniken der Traditionellen Chinesischen Massage. Die Manipulation des Drückens oder Pressens heißt auf Chinesisch An fa (An = Druck, fa = Methode). Das energetische Streichen oder Ziehen der Meridiane in der APM Methode (hierbei wird ein Hilfsmittel, der APM-Stift, benutzt) ist eine Kombination von schieben (tui fa) und schaben (gua fa).

Aber Tuina /Anmo ist mehr als nur An fa (drücken) und das " Ziehen" der Meridiane. Tuina ist mehr als nur Massage.

Anmo könnte mit Massage übersetzt werden, während Tuina neben den Massagetechniken, Manipulationen, chiropraktische oder gar osteopatische Techniken in sich vereint. Eine Vielzahl der Tuina Anwendungen sind den westlichen Physiotherapien gänzlich unbekannt.

Massage oder andere manuelle Behandlungsformen sind in allen Kulturen der Erde vorhanden. Es ist eine unserer elementarsten Reaktionen eine verletzte Stelle oder ein schmerzhaftes Areal zu reiben, zu drücken oder zu streichen.

Die Besonderheit der Tuina - Therapie liegt darin, das sie einerseits alle manuellen Techniken vereint ohne zu trennen zwischen massieren, einreiben, manipulieren und reponieren, andererseits stützt sie sich auf ein jahrtausendaltes System der Betrachtung und Erkennung von Krankheit und Gesundheit.

Die Grundlagen der manuellen chinesischen Medizin basiert sowohl auf dem ganzheitlichen Chinesischen Denken, als auch auf den Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin. (Energetische Anatomie = die Theorie der Meridiane und Akupunkturpunkten, energetische Physiologie und Pathologie und energetischen Diagnose, bestehend aus Zungendiagnose, Gesichtsdiagnose, Diagnose durch Hören und Riechen, einer speziellen Anamnese und der Palpitation, insbesondere der Pulse.)

Ähnlich der Akupunktur können unter anderem spezielle Punkte stimuliert werden, um den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Doch kann die Tuina-Behandlung gerade bei orthopädischen Erkrankungen oft erfolgreicher sein als Akupunktur oder zumindest das "Nadeln" ergänzend, um Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke zu entspannen und zu lockern. Gelenkblockierungen oder Fehlstellungen können wieder durch Manipulierungen im Sinne der manuellen Medizin oder der Chiropraktik korrigiert oder reponiert werden.

Dabei sind nicht nur genannte Strukturen wichtig, sondern die Energiebahnen oder Meridiane (Jing luo), insbesondere die sogenannten Tendinomuskulärenmeridiane werden durchgängig gemacht, Blut und Energiestagnationen gelöst und der Qi- (Energie) und Blutfluss gefördert, um Schmerzen zu lindern und die innere Harmonie wieder herzustellen.

Daher ist die CMM besonders geeignet zur Behandlung von Schmerzen und Dysfunktionen des aktiven und passiven Bewegungsapparates, sowie zur Behandlung des myofaszialen Schmerzsyndroms.

Ähnlich der Akupunktur sollte die Tuina Behandlung aber nicht auf dieses Krankheitsgeschehen reduziert werden.

Ihr Einfluss auf viszerale Funktionen oder auf mentale und psychische Probleme ist hervorzuheben. Dies ist nicht nur durch die TCM-Theorie zu erklären, sondern ebenfalls über die neurophysiologischen kuti-viszeralen Reflexe, sowie durch die uns bekannten heilsamen Berührungen, die einen abschalten lassen und im Sinne des aktuellen Modetrends "Wellness", Körper, Geist und Seele zu vereinen.

Eine spezielle Tuina-Behandlung wurde für Kinder entwickelt. Sie kann sowohl eingesetzt werden bei Erkältungskrankheiten, Lungen- und Bronichalerkrankungen, als auch bei Erkrankungen des Verdauungs- und Urogenitaltraktes sowie bei Schlafstörungen.

Hier noch einmal eine Zusammenfassung der Tuina/Anmo Wirkungsweisen.

 





Tuina /Anmo (abhängig von der speziellen Technik und den lokalen Punkten):

 

  • Öffnet die Leitbahnen/Meridiane, aktiviert die Gefäße, löst Stagnationen
  • erwärmt die Meridiane und öffnet die Kollateralen
  • Lindert Schmerzen und Krämpfe
  • Ermöglicht den freien Fluß des Qi’s, bewegt und aktiviert das Blut, ventiliert das Blut
  • Öffnet die Oberfläche und vertreibt äußere pathogene Faktoren wie Wind und Kälte
  • Klärt und befreit die Sinnesöffnungen
  • Entspannt Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke
  • Mobilisiert die Gelenken und verbessert die Beweglichkeit
  • Regulation Yin und Yang bzw. Kälte und Hitze, Fülle und Leere im Körper
  • Harmonisierung den Gesundheitszustandes, reguliert die vitalen Energien
  • Stärkt und tonisiert die Energie im Funktionskreis Nieren zur Stärkung der Knochen und Sehnen, stärkt und tonisiert den Funktionskreises Milz und Magen zur Stärkung der Verdauung und Lösung von Nahrungsmittelstagnation, stärkt die Lunge und verbessert den allgemein Zustand.
  • Als prophylaktische Maßnahme besonders hilfreich bei stressbedingten Störungen
  • wirkt beruhigend und regulierend auf das shen

 

 

Es gibt im Tuina über 20 verschiedene Grundtechniken

 

Sie werden unterteilt in sogenannte:

  • schwingende Techniken (bai dong)
  • reibende, "scheuernde oder streichende Techniken (mo ca)
  • pressende oder Drückende Techniken (ji ya)
  • vibrierende Techniken (zhen dong) und
  • manipulierende oder bewegende Techniken (yun dong guang jie)


Zu den Schwingenden Techniken gehört:
das Rollen (gun fa) und Kneten (rou fa)

Zu den Reibenden Verfahren gehören:
schieben (tui fa), kreisendes reiben (mo fa), quirllen (cuo fa) etc.

Zu den Techniken des Pressen und Drückens gehören:
drücken (Shiatsu/Akupressur) (an fa), greifend (na fa), kneifen (dian fa) etc.

Zu den Techniken des Vibrieren gehören:
vibrieren (zhen fa) und schütteln (dou fa).

Techniken des Klopfens sind:
klatschen (pei fa), Klopfen (kou fa)

Manipulierende Techniken sind:

Gelenke ziehen, dehnen (ba shen fa), Gelenke rotieren (yao fa) etc. 

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